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Anne Goldmann: Lichtschacht

Anne Goldmann: Lichtschacht

Kurzzusammenfassung:
Lena ist neu in der Stadt, schlägt sich mit Jobs durch, hofft Freunde zu finden. Eines Abends sieht sie, wie eine fremde Frau vom Dach gestoßen wird. Oder hat sie sich das bloß im Rausch eingebildet? Kann sie mit diesem Zweifel weiterleben? Wem soll sie sich anvertrauen? (Von der Verlagsseite Ariadne)

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Meine Meinung:
Auf diesen Roman wurde ich durch Lobeshymnen aufmerksam, die auf Buchblogs, denen ich vertraue, einhellig gesungen wurden. Und ich kann es auch nachvollziehen, irgendwie. Irgendwie? Ja. Denn Anne Goldmann hat mich a) so richtig aufs Glatteis geführt, und das für einen Großteil ihrer fast 400 Seiten. Das bei einem so reduzierten Charakter-Arsenal ist schon eine Leistung. Und b) hab ich das Buch richtig schnell ausgelesen. Ich konnte einfach nicht anders. Der sehr reduzierte Stil mit einfachen Sätzen baut eine geradezu hypnotische Wirkung auf. Man liest weiter und weiter und weiter, auch wenn – gerade im der Protagonistin Lena gewidmeten Teil – eigentlich gar nicht viel passiert. Das verdient großen Respekt. Davor ziehe ich den Hut. Auch vor der Atmosphäre, die Anne Goldmann aufbaut. Wirklich beeindruckend. Wien fand ich sehr schön und für mich stimmig dargestellt.

Dass ich nicht ganz so euphorisch in den Chor des Lobes für Lichtschacht einfalle, lag eher an der Heldin Lena. Sie war mir leider bis zum Schluss kaum sympathisch. Nun muss ich eine Figur nicht unbedingt mögen, um gerne von ihr zu lesen, aber bei Lena saß der Stachel besonders tief. Ich fand sie zickig, teilweise nicht nachvollziehbar darin, wie sie sich gegenüber anderen verhält. Wie spannend ich das Buch gefunden hätte, hätte ich mich ihr ein wenig stärker verbunden gefühlt, mag ich mir gar nicht ausmalen. Wahrscheinlich hat sie mich sogar vor einem spannungsinduzierten Herzinfarkt bewahrt, wer weiß. Aber so hat es mich beim Lesen gestört. Auch, dass der immer wieder zu Wort kommende Bösewicht so 100%ig böse war. Ist vielleicht meiner etwas naiven Auffassung geschuldet, dass es keine 100%ig bösartigen Menschen gibt. Aber: so wenig Differenzierung passte für mich nicht in einen sonst so nuancierten Roman wie diesen.

Trotzdem – ich hab ihn sehr sehr gerne gelesen und würde Lichtschacht auch all jenen wärmstens empfehlen, die spannende Geschichten abseits des Krimi-Mainstream lesen wollen.

Fazit:
Ein besonderer, wahnsinnig spannender, aber auch kantiger Roman mit einer (mir etwas zu) widerborstigen Hauptfigur. Auf jeden Fall lesen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.