Inspirierende Plätze: Forty Foot Bathing Place

Immer wieder fragen mich Freunde und Leser nach Tipps für einen Besuch in Irland bzw. Dublin. Doch wo anfangen? Es gibt eine Menge besonderer Orte hier. Deshalb mache ich mal den Anfang mit einem, der gleich bei mir um die Ecke liegt.

Woher der Forty Foot Bathing Place seinen Namen hat, dazu gibt es mehrere Theorien. Die einen sagen, das Wasser an diesem felsigen Badeplatz in Sandycove, Dun Laoghaire, sei 40 Fuß tief. Andere behaupten, hier am südlichen Ende der Dublin Bay wäre einmal das 42nd Highland Regiment of Foot der Britischen Armee stationiert gewesen.

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Verbürgt ist: Seit 250 Jahren stürzt sich das südliche Dublin hier in die Fluten der Irischen See. An geradezu unerhört heißen Sommertagen (sprich 25 Grad), wie wir sie derzeit erleben, tummeln sich ganze Trauben von Menschen in der kleinen Felsenbucht. Über solche Schönwetter-Plantscher können die alten Meerschwimmer-Hasen nur den Kopf schütteln. Denn sie sind jeden Tag hier. Auch und gerade dann, wenn sich der Rest schon längst fröstelnd ins Pub verzogen hat.

Handtuch und Badehose über der Schulter kommen sie dann anspaziert (oder geschlurft – viele Meeresschwimmer sind ältere Semester), drehen seelenruhig ihre Runden im 10 Grad kalten Wasser und treffen sich anschließend, krebsrot vor Kälte, in aller Ruhe auf der algigen Steintreppe für ein Schwätzchen, während ihnen der Novemberwind um die Ohren pfeift. Auch wenn es inzwischen eine Menge Frauen unter den “regulars” gibt. Das Schild “Gentlemen’s Bathing Place” steht noch immer ungerührt. Und der Club verwahrt sich auch heute noch gegen weibliche Mitglieder.

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Wie dem auch sei – der Forty Foot ist ein wahrlich faszinierender und inspirierender Ort. Also nichts wie los, beim Vorübergehen noch schnell ein ’99’-Tüteneis bei Teddy’s Ice Cream bestellt, und die Atmosphäre von Abenteuer und absoluter, kreisch-auslösender Erfrischung genießen. Und der Ausblick auf Dun Laoghaire und die Halbinsel Howth am anderen Ende der Dublin Bay ist sowieso … hmmmm.

Forty Foot Dusk

Übrigens: Forty Foot hat auch literarischen Mehrwert zu bieten. Gleich gegenüber des Badeplatzes thront nämlich der Martello Tower. Einst zur Verteidigung gegen Napoleon erbaut, war er kurzzeitig Unterkunft für James Joyce und ist jetzt ein James Joyce Museum. Auch der Beginn seines Romanklassikers “Ulysses” spielt hier. Außerdem erscheint der Forty Foot auch in Flann O’Briens “In-Schwimmen-zwei-Vögel”. Braucht’s noch mehr Gründe?

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