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Christos Tsiolkas: The Slap – Nur eine Ohrfeige

Kurzzusammenfassung:

Ein sonniger Nachmittag in Melbournes Suburbia. Während der Gartenparty des erfolgreichen Mittelstands-Paares Hector und Aisha benimmt sich der 3jährige Hugo unmöglich – bis ihn Harry, der Cousin des Gastgebers, mit einer Ohrfeige diszipliniert. Zum Horror von Hugos Eltern. Der Roman verfolgt die anschließenden Ereignisse aus der Perspektive 8 anwesender Beteiligter und Beobachter. 

Christos

Meine Meinung:

Dieses Buch war Ende der 00er Jahre ein riesiger Hit im englischsprachigen Raum. Während die Folgen der Ohrfeige für den ungezogenen Hugo immer tiefere Gräben durch den anwesenden Familien- und Freundeskreis zieht, erhält der Leser tiefe Einblicke in das Seelenleben der acht Protagonisten. Und es ist wahrlich kein schöner Anblick. 

Denn in Tsolkias‘ Gesellschaftsroman strotzt es geradezu vor Betrug, Drogen, Sex und kaputten Beziehungen. Das australische Suburbia als Horrorladen der menschlichen Probleme.
Nach Anlaufschwierigkeiten über die ersten Seiten konnte ich das Buch tatsächlich kaum zur Seite legen, so sehr interessierte ich mich für die verschiedenen Charaktere und ihre Geschichten. Das zentrale Ereignis wirkt als Katalysator für versteckte Ressentiments zwischen Einwanderern und „Ur-Australiern“, zwischen gut situierter Mittelschicht und jenen am unteren Rand. Am Schluss bleibt der große Knall wie so oft im Leben aus; die Verlierer werden ausgestoßen, die Reihen der anderen schließen sich wieder. Die Vorstadt-Karawane zieht – geschwächt aber doch – weiter.
Was mir persönlich etwas unangenehm aufstieß war die durchgehend sehr vulgäre Ausdrucksweise rund ums Thema Sex, egal welche Perspektive. Vielleicht bin ich ja naiv-konservativ, aber das fand ich nicht nur unnötig, sondern auch aufgesetzt, denn die Perspektive war sehr nah an den Protagonisten gehalten, und dass vom Teenager über die distinguierte Ärztin bis hin zum griechischen Einwanderer-Opa alle von ‚cocks‘ und ‚tits‘ reden … naja. Darüber hinaus schien jede der Personen am laufenden Band mit Drogen zu tun zu haben, was für mich ebenfalls nach einer Weile unrealistisch wirkte.
Fazit: Wer sich für die australische Gesellschaft, zwiespältige moralische Themen und gute Charakterzeichnungen begeistern kann, ist mit „Nur eine Ohrfeige“ gut bedient. Ich fühlte mich gut doch mit Anspruch unterhalten.
Tipp für Leseunfreudige: Es gibt übrigens auch eine 8teilige Fernsehserie desselben Namens.
PS: Diese Rezension bezieht sich auf die englische Originalausgabe des Romans.